#5 Waldbaden

   

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Von Nagahama bis zum Fuß des Mt. Kanmuri – 76km/1550Hm

Laut singend radeln wir am Morgen durch den dichten Wald. Diverse Schilder warnen vor Bären. Uns ist ein bisschen mulmig, weil wir keine andere Menschenseele treffen. Japan hat ein ziemliches Bärenproblem. Ingesamt leben 55 Tausend Bären in Japan mit steigender Tendenz. Auch wagen sie sich immer weiter in die Zivilisation vor, weil sie wegen des Klimawandels weniger Futter in Bergen finden und weil Dörfer und Kleinstädte wegen der alternden Bevölkerung immer ruhiger werden.

Später nehmen wir unseren ersten größeren Pass in Angriff, der erste Versuch endet allerdings nach 200 Hm auf Schotter im Nirgendwo. Dort wo wir abbiegen sollten finden wir nur dichtes Gestrüpp. Trotz zweier GPS Geräte und diverser digitaler Karten ist die Navigation hier nicht so einfach, einige Straßen existieren einfach nicht.

Wir nehmen dann einen anderen „Einstieg“ zum Pass: Eine wegen Bauarbeiten gesperrte Straße, die asphaltiert und komplett leer ist. Wir kommen gut voran und erreichen zügig die Passhöhe. Oben werden wir von zwei Japanern begrüßt, die dort mit ihren Teleobjektiven die Falkenwanderung dokumentieren. 

Dann geht es 800hm rasant hinab und weiter auf einem „Highway“, der schon wieder kaum befahren ist, trotz aufwendiger Infrastruktur. Wir fahren durch viele Galerien und Tunnel, über moderne Brücken und passieren den eindrucksvollen Tokuyama Staudamm. Wir wähnen uns heute sehr gut in der Zeit und sind uns sicher noch vor Einbruch der Dunkelheit unseren Zeltplatz zu erreichen. Nur noch ein Tunnel trennt uns von unserem Ziel. Als wir davor stehen müssen wir allerdings feststellen, dass er gesperrt und bereits von Affen, die spöttisch auf uns runter schauen, in Beschlag genommen ist.

Jetzt heisst es Plan für die nächsten Tage ändern! Wir fahren erstmal die einzig mögliche Straße weiter und werden direkt mit dem Anblick eines Japanischen Seraus am Straßenrand entschädigt. Zwischen zwei Tunneln finden wir dann kurz vor Sonnenuntergang noch ein einsames Plätzchen für unser Zelt. Nachts wachen wir auf und glauben einen Bären in unserer Nähe zu hören. Mit lauten Rufen und unseren Stirnlampen versuchen wir auf uns aufmerksam zu machen. 

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